Eins zu null für den Delfin. … Fortsetzung …

Kiesel- statt Sandstrand

So erreichten wir auch den Strand. Wobei das Wort „Strand“ nach deutschem Verständnis nicht hundertprozentig korrekt ist. Es gib nämlich keinen klassischen Streifen mit feinem gelben Sand, sondern einen, der mit mehr oder weniger großen Kieseln und Kieselchen bedeckt ist. Immerhin aber versanden die Badeutensilien nicht, wenn man sich in die Sonne bettet.

Erst direkt am Ufer und damit quasi im Bereich der Brandung findet sich feuchter Sand, der sich auch unter Wasser fortsetzt. Das ist wunderbar zum Hineinlaufen. Allerdings fällt der Grund recht steil ab und schon nach wenigen Metern ist Schwimmen angesagt.

Das Wasser ist kristallklar und nur mäßig salzig. Ungebetene Mitschwimmer in Form von Quallen gib es nicht.

Manche lieben es eng …

Dafür kommt an Land doch manchmal Sardinenbüchsen-Feeling auf. Weil der steinige Uferstreifen nicht allzu breit ist, aber Tausende sich dort niederlassen, liegen die Sonnenanbeter manchmal sogar aufeinander. Platzangst sollte also niemand haben.

Gut, ich übertreibe. Doch viel Spielraum bleibt zwischen den einzelnen Decken und Handtüchern samt deren Besitzern tatsächlich nicht.

Wer nicht nur faul in der Sonne brutzeln möchte, kann sich anderweitig vergnügen, egal ob auf, über, unter oder am Wasser. Es gibt zig Möglichkeiten, von denen die Fahrt entlang der Küste, die am Anfang episodenhaft beschrieben wurde, nur eine von Duzenden ist.

Ein kulinarisches Muss ist Schaschlik

Ein kulinarisches Muss ist Schaschlik. Diese für den ganzen Kaukasus typischen Fleischspieße werden überall angeboten. Vergessen Sie das, was Ihnen in Mitteleuropa als Schaschlik untergejubelt wird – jene gewaltigen, ich bin geneigt zu sagen „ Fleisch-Schwerter“ in Sotschi werden Sie nicht so rasch vergessen.

Darf es ein bisschen höher sein? – Ausflug in die Berge

Ich werde mich immer daran erinnern, wie ich im Wasser liegend gen Ufer schaue und sich im Hintergrund das gewaltige Panorama des Kleinen Kaukasus abzeichnet. Wer zur entsprechenden Jahreszeit – vielleicht zwischen Oktober und Anfang Juni – hierher kommt, kann morgens noch ein Bad nehmen und am Nachmittag bereits Ski fahren.

Im Sommer empfiehlt sich ein Ausflug in die Berge ebenfalls, vorzugsweise in den bekannten Ort Krasnaja Poljana, zu gut Deutsch: Rote Lichtung – oder auch Schöne Lichtung. Der westliche Reisende hat hinsichtlich der Himmelsrichtung unter den von kleinen Touristikunternehmen angebotenen Ausflüge leider nicht die ganz große Auswahl, denn in das angrenzende malerische Abchasien sollte man als Nichtrusse nicht fahren.

Die fast menschenleeren Palmenstrände im benachbarten Abchasien sind leider noch nicht gut zugänglich

Die politische Lage in der nach einem blutigen Bürgerkrieg 1992 abtrünnigen, sich zu Russland hingezogen fühlenden aber de jure noch zu Georgien gehörenden kleinen Kaukasusrepublik ist noch unübersichtlich.

Zwar hat sich die Situation in Abchasien in den letzten Jahren weiter stabilisiert. Es verkehrt sogar ein Nahverkehrszug zwischen Sotschi und der abchasischen Hauptstadt Suchumi. 2006 haben schon etwa eine Million vor allem russischer Touristen die märchenhaft schönen Palmenstrände in Abchasien, in Pitsunda, Gagra und Suchumi besucht. Aber für Westouristen gibt es hohe Hürden.

Der westliche Reisende müsste mindestens über ein Visum für zwei Einreisen nach Russland verfügen, denn Abchasien ist Ausland, man müsste also wieder einreisen. Ob das problemlos möglich ist?

Vielleicht tut es ein Batzen Bakschisch am Grenzfluss Psou, aber ich wollte es nicht darauf ankommen lassen.

Auf in Richtung Krassnaja Poljana

Dann also die Rote Lichtung – und niemand wird die Wahl bereuen. Im Bus geht es vorbei am Flughafen, dessen neues Terminal einst Jugoslawen bauten, die nach Ausbruch des Balkankrieges aber abgezogen wurden und das halbfertige Gebäude als Investitionsruine zurückließen. Seit kurzem aber wird dort wieder unter Hochdruck gearbeitet. Der Flughafen ist privatisiert und soll als internationale Drehscheibe spätestens zur Verfügung stehen, wenn in 2014 in Sotschi – Krassnaje Poljana die Olympischen Winterspiele stattfinden.

Aber, zurück ins hic und nunc. Der Bus hält nach zweistündiger Fahrt in dem künftigen Austragungsort der alpinen olympischen Wettbewerbe. Wir befinden uns in einer Höhe von 540 Metern.

Unter den Möglichkeiten für den Zeitvertreib entscheiden wir uns für die Höhe. Wir wollen 1.698 Meter überwinden und auf den Aibga gelangen. Die Spitze dieses 2.238er Berges ist bisher über eine Kette von vier aufeinander folgenden Sesselliftanlagen zu erreichen. Insgesamt benötigen wir für die Auffahrt eine gute Stunde.

Oben angekommen erwartete uns ein erheblich kühleres Lüftchen, ein wunderbarer Rundblick auf die benachbarten Gipfel und Hänge sowie eine Berghütte mit Restaurant, in dem ich meine etwas angeschlagenen Nerven (ich bin nicht höhentauglich) mit einem Cognac beruhigen und fit für die Rückfahrt ins Tal machen konnte.

Faszinierende Panoramablicke aus dem Sessellift

Das Herabschweben gestaltete sich auch deswegen angenehmer, weil ich meine Blicke über das faszinierende Bergpanorama schweifen ließ. Das lenkte von gelegentlichen massiven Höhenunterschieden zwischen Gondel und Erdboden ab.

Froh war ich dennoch, als ich den untersten Sessellift heil und gesund verlassen konnte. Mit leicht weichen Knien schlenderten wir in eines der vielen Terrassenrestaurants und genossen ein opulentes Fischgericht: Lachsforelle, vor Ort in Becken aufgezogen, gefangen und frisch zubereitet – kein Unterschied zu Finnland, wo dieses edle Lebewesen zu meinen Lieblingsspeisen gehörte.

Beinahe hätten wir vor lauter Schlemmen den Bus verpasst, der uns zurück nach Adler chauffierte.

Unser „Kupee“ im Zug Richtung Wolgograd bezogen wir tags darauf mit Wehmut, während zur gleichen Zeit zwei Kilometer entfernt vor der Küste unser Illusionist weiter um die Aufmerksamkeit der Foton-Passagiere buhlte – und gegen die Delfine wohl doch wieder den Kürzeren zog.

Noch ein paar praktische Tips für die Reiseplanung

Es ist klar, dass Russland (noch) nicht zu den wichtigsten Destinationen für den europäischen Durchschnittsurlauber gehört. Die touristische Infrastruktur ist nicht überall auf westliche Besucher eingestellt und nicht zuletzt stehen die bürokratischen Hürden, die immer einen gewissen zeitlichen Vorlauf beanspruchen, großen Urlauberströmen entgegen.

Aber Reisebüros können schnell und unbürokratisch die nötigen Visa organisieren. Die lästige Registrierung bei der örtlichen Passbehörde OWIR, die für alle ausländischen Besucher obligatorisch ist, wird von den Hotels übernommen.

Individualtouristen sollten möglichst über ein paar Grundkenntnisse der russischen Sprache verfügen. Nicht alle Russen sprechen Fremdsprachen. In jedem Fall gilt: „Tschastliwowo puti!“

Frank Fischer, Sotschi / Budapest

Ein Gedanke zu „Eins zu null für den Delfin. … Fortsetzung …

  1. Pingback: Eins zu null für den Delfin. | www.Sotschi.ru

Kommentare sind geschlossen.